Beratung - Weiterbildung - Information für Interessenvertretungen

Arbeitzeitgestaltung

Arbeitzeit mitarbeiterorientiert gestalten - gesund bleiben!

Immer mehr Interessenvertretungen treten für Ver­änderungen der Arbeitszeit und ihrer Rahmen­bedingungen ein. Es geht um eine gesundheitsförderliche Arbeitszeitgestaltung und die Berücksichtigung von persönlichen und familiären Lebenslagen. Die Be­schäf­tigten wollen bis zur Rente leistungsfähig sein und fordern die Bedingungen dafür ein.

Auf dem Weg dorthin gibt es viele Fragen zu klären, hier nur einige Beispiele:

  • Was sind Überstunden und was ist Mehrarbeit?
  • Welche Rolle spielt das Arbeitszeitkonto im Betrieb?
  • Wie kann eine Mindestbesetzung von Arbeits- und Schichtteams erreicht werden?
  • Was ist überhaupt der Personalschlüssel und wer bestimmt ihn?
  • Wonach bestimmen sich die Arbeits- und Bereitschaftszeiten?
  • Und woher kommen die ständigen Abweichungen zwischen Plan und Realität?
  • Wie häufig müssen Mails abgerufen werden und wie lange muss das Diensthandy angeschaltet bleiben?

Es hat sich gezeigt, dass sich die Arbeitszeitgestaltung nach den jeweils konkreten betrieblichen Bedarfen und den konkreten Entwicklungsmöglichkeiten in der vorhandenen „Arbeits­zeitkultur“ richten muss. Es gibt nicht eine Lösung für alle. Die TBS unterstützt Betriebs- und Personalräte dabei, mit den Arbeitgebern individuelle Betriebs- und Dienst­verein­barungen auszuarbeiten.

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bietet der Themenflyer Arbeitszeit und Arbeitszeitkonten regeln (kostenloser Download)

Aus der Praxis

Wasserwerk Perlenbach

Beim Wasserwerk Perlenbach wird Arbeitszeitgestaltung als ein gemeinsamer Auftrag der Betriebsparteien verstanden
Das Wasserwerk des Wasserversorgungszweckverbandes Perlen­bach versorgt in der Eifel um Monschau und Simmerath sieben Gemeinden mit Trinkwasser aus der Perlenbachtalsperre. Die damit verbundenen Aufgaben werden mit 52 Beschäftigten bewältigt. Auf der Grundlage der Arbeitszeitflexibilisierung im Tarifvertrag Ver­sorgungsbetriebe wurde 2009 eine Dienstvereinbarung abgeschlossen, die die Führung eines Arbeitszeitkontos in Verbindung mit einem Langzeitkonto regelte.
Derk Buchsteiner: „Wir hatten uns damals mit dem Personalrat auf eine Probephase verständigt, um mit der gewählten Rahmenzeit und den Zeitkonten erst einmal Erfahrungen sammeln zu können. Nach einer gemeinsamen Bewertung wollten wir eine dauerhafte Vereinbarung treffen.“ „Der Personalrat wollte den anstehenden Über­arbeitungsprozess mit externer Unterstützung vorantreiben“, ergänzt der PR-Vorsitzende Dietmar Schütteler. „Als Personal­ver­tretung war es für uns erfreulich, dass wir uns mit der Betriebsleitung auf die Beratung durch die TBS NRW verständigen konnten. Der Auftrag an die Beraterin lautete, ihr Wissen in die von uns gebildete Arbeitsgruppe einzuspeisen und die Verhandlungen als Ansprech­partnerin für beide Seiten zielorientiert zu moderieren.“
Für die Langzeitkonten wurde mit einer neuen Dienstvereinbarung eine Abgrenzung zu den Arbeitszeitkonten vorgenommen, um die Anforderungen an ein Wertguthaben im Sinne des „Flexi II“ Ge­setzes sicherstellen zu können. Derk Buchsteiner: „Um die Arbeits­zeitkonten besser steuern zu können, haben wir dem Personalrat ein Ampelkonto vorgeschlagen. Mit der Beraterin konnten wir die zentralen Fragen über die Grenzen der Ampelphasen und die Maß­nahmen innerhalb der Ampelphasen einvernehmlich klären und Festlegungen treffen.“ „Für uns als PR war es dabei wichtig, die Arbeits­zeitsouveränität der Beschäftigten innerhalb der Arbeitsteams zu bewahren“ betont Dietmar Schütteler.
Als Ergebnis wurde eine Dienstvereinbarung zur Arbeits­zeit­er­fas­sung und -verwaltung mit eindeutigen und nachvollziehbaren Re­ge­lungen formuliert, in denen Betriebsleitung, Personalrat und Be­schäftigte ihre Interessen wiederfinden können.

 

Dietmar Schütteler
Personalrats-
vorsitzender,
Wasserwerk Perlenbach

 

Derk Buchsteiner
Betriebsleiter
Wasserwerk Perlenbach

Schichtsystem überprüfen - Arbeitszeit planbarer machen

1961 in St. Johann/ Tirol gegründet, ist EGGER ein auch heute noch familiengeführtes, stetig wachsendes Unternehmen.
Mit derzeit ca. 7.000 Mitarbeitern an 17 Standorten in Europa und Russland sind wir die führende Marke für Lösungen rund um das Leben und Arbeiten mit Holz. Unser Standort Brilon ist ca. 1.050 Mitarbeiter groß und arbeitet in den vielfältigsten Arbeits­zeit­mo­dellen.
Nachdem die Gleitzeitregelungen der angestellten Kolleginnen und Kollegen den neuen, modernen und individuellen Lebens­umfeldern angepasst werden konnten, lag unser Schwerpunkt darin, die vielen verschiedenen Arbeitszeitmodelle und Conti Schichtsysteme unserer gewerblichen Kollegen zu überprüfen und darzulegen, an welchen Stellen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr gegeben ist.
In Zeiten, in denen von Arbeitgebern immer „gesündere“ Mit­arbeiter gefordert und Leistungsziele gesetzt werden, die man nur „topgesund“ erreichen kann, müssen Rahmen­be­din­gun­gen ge­schaf­fen werden, diese Ziele auch auf Dauer zu erreichen. Neben Verbesserungen im Schichtsystem und der Urlaubsplanung verlangten 93 Prozent unserer Kollegen, dass die Freizeit und somit natürlich auch die Arbeitszeit planbarer wird.
Unter Hinzuziehung eines TBS Beraters gründeten wir gemeinsam mit dem Arbeitgeber eine Arbeitszeitkommission. Unser Ziel war es, mit Hilfe der bestehenden Betriebsvereinbarung im 5-Schichtmodell die Einhaltung von Regeln und Grenzen ins Lot zu bringen: Ruhe­zeiten, die Begrenzung auf sieben Schichttage, die gerechte Planung und Einteilung der Mitarbeiter im Schichtplan. Für Mitarbeiter sollte „frei“ im Plan auch verlässlich frei bleiben.
Ziemlich schnell wurde klar, dass es für unsere Bedürfnisse nicht die eine große Lösung gibt. An vielen kleinen Stellschrauben haben wir gedreht und Lösungsansätze erarbeitet: zum Beispiel Mindest­be­setzung der Schichten, Beteiligung der Mitarbeiter an der 5-Wo­chen­planung, Qualifizierung für mehr Einsatz­flexibilität, altersgerechte Schichtarbeit, Vertretungsplanung für Urlaub nach BV.
In mehreren Sitzungen haben wir gemeinsam festgestellt, wie wichtig die Ressource Arbeitszeit ist und wie human damit umgegangen werden kann. Bei einigen Vorgesetzten war es nicht immer leicht, da­für ein Bewusstsein und Interesse zu finden. Unser Weg zu einem besseren, gelebten Umgang mit Schichtarbeit und Arbeitszeit ist lang­wierig, wir verlieren unsere Ziele nicht aus den Augen. Dann werden wir auf Dauer mit flexiblen Arbeitszeiten flexible und gesündere Mitarbeiter behalten und somit auch im europäischen Wett­bewerb bestehen können.

 

Norbert Dirschus
Betriebsrats-
vorsitzender
Egger GmbH Brilon