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Aus der Praxis: Einführung von Successfactors bei Momentive (Leverkusen)

Momentive Performance Materials  (MPM) ist ein US-amerikanisches Unternehmen aus der chemischen Industrie. In der deutschen Hauptniederlassung in Leverkusen arbeiten ca. 700 Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter. Weltweit hat der Konzern rund 5.000 Beschäftigte an 20 Standorten.
Wie in den meisten Unternehmen erfolgt die Einführung von Successfactors in mehreren Stufen. Bei Momentive wurden zunächst das Modul „Learning“ zur Nutzung und Administration von Schulungsangeboten sowie die Module „Goals“ und „Per­formance“ (Zielvereinbarungs- und Beurteilungsprozesse) eingeführt. Die Installation weiterer Successfactors-Module ist in Planung.
Die Implementierung der Bausteine „Goals“ und „Performance“ brachte einige Veränderungen mit sich. Mit dem Ziel der weltweiten Vereinheitlichung wurde von der Konzernmutter eine neue Bewertungsskala zugrunde gelegt, mit der jeder Mitarbeiter im Sinne einer „Kopfnote“ bewertet wird:

  • erfüllt nicht ausreichend die Erwartungen
  • entspricht den Erwartungen
  • übertrifft die Erwartungen
  • übertrifft dauerhaft höchste Anforderungen
  • zu neu, um bewertet zu werden

Diese Note sollte – so Wunsch der Arbeitgeberseite – direkt mit der jährlichen Gehaltsanpassung gekoppelt werden. Hier konnte der Betriebsrat durchsetzen, dass der einzelne Mitarbeiter eine Widerspruchsmöglichkeit hat sowie der Betriebsrat den Vertei­lungsschlüssel mitbestimmt.
Aber mehr noch: Die jetzt implementierten Zielvereinbarungs- und Beurteilungsprozesse werden in einer späteren Projektphase mit den Modulen zur „jährlichen Gehaltsanpassung und Kar­riereentwicklung“ verbunden. Das hat zur Folge, dass der Be­triebs­rat zu einem frühen Zeitpunkt über die Ausgestaltung von Modulen entscheiden muss, ohne die späteren Konse­quen­zen in Gänze absehen zu können. Hier konnte der Betriebsrat erreichen, dass die Module nach Ablauf von maximal 15 Monaten einer Evaluation unterzogen werden, an der Mitarbeiter, Füh­rungs­kräfte, Personal und Betriebsrat mitwirken.
Besonderes Augenmerk wird der Betriebsrat dabei auf die Erreichung seiner zu Projektbeginn formulierten Anforderungen legen:

  • Einheitlichkeit und Transparenz des Beurteilungsprozesses,
  • mehr Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten,
  • Sicherstellung einer umfassenden Qualifizierung der Führungskräfte und Einführung eines 360-Grad-Feedbacks,
  • enges Zusammenspiel von Personalbereich und Betriebsrat bei der Auswertung der Ergebnisse,
  • Ablehnung eines Verteilungsschlüssels, der von vorneherein festlegt, wieviel Prozent „Gut-, Schlecht- und Normalleister“ es geben darf, sowie
  • Sicherstellung des Datenschutzes.

Die Pilotvereinbarung endet im April 2015. Die Evaluierung des bisherigen Prozesses ist angelaufen. Wie sich die weiteren Ver­hand­lungen gestalten ist noch offen.

Was bedeutet Personalentwicklung 2.0 mit Successfactors von SAP?

Michael Flory,
Betriebsratsvorsitzender Momentive

„Wir als Betriebsrat haben mit Hilfe der TBS festgestellt, dass die Risiken für die Mitarbeiter aufgrund des modularen Auf­baus und einer ganz neuen und vor allem abweichenden Personalplanungs- und -steuerungs-Philo­so­phie nicht zu überschauen waren und demnach eine begrenzte Pilot­phase unabdingbar war. 

Grundsätzlich befürworten wir Fortbildung und eine leistungsgerechte Bezahlung für unsere Mitarbeiter! Jedoch ist es für uns bei einem so weitreichenden Wechsel auf ein neues System wichtig gewesen, den Prozess nach einem „ersten“ Testlauf gemeinsam mit den Mitar­bei­tern neu zu bewerten und ggf. anzupassen.

Hier ist unser Ansatz, die Software sowie die neuen Beur­teilungs-/ Schulungs-Prozesse so zu gestalten, dass den In­teres­sen aller Mitarbeiter Rechnung getragen wird.  Da­mit wollten wir der Fokussierung auf wenige Top-Leister und der möglichen Bevorzugung eines „Dream Teams“ Ein­halt gebieten. Deshalb forderten wir Schulungs- und Wei­terent­wicklungsmöglichkeiten für ALLE Mitarbeiter. Ziel für uns ist es, nach der Pilotphase ein transparentes und gerechtes Beurteilungssystem auf die Beine zu stellen.“