Beratung - Weiterbildung - Information für Interessenvertretungen

Künstliche Intelligenz

gleichermaßen unheimlich wie faszinierend

Künstliche Intelligenz erweitert die Einsatzmöglichkeiten von IT-Systemen und verändert unsere Arbeits­welt. Chancen und Risiken liegen dabei dicht beisammen. Eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema verbessert die Möglichkeiten zur Gestaltung der Technik im Interesse der Beschäftigten.

Heute erscheinen uns die Wunderwerke der Technik von damals – wie der Eiffel-Turm –  als Beispiele der guten alten Zeit, in der Technik noch anschaulich und leicht nachvollziehbar war. Die heutigen Wunder der Technik heißen künstliche Intelligenz, Roboter oder schlicht Digitalisierung. Sie scheinen den Menschen zu überflügeln. Computer besiegen in superkomplexen Spielen wie „Go“ die amtierenden Weltmeister. Sie sind in der Lage, Gespräche mit Menschen zu führen, ohne dass wir Mensch und Maschine unterscheiden können. Trotz einiger Rückschläge haben intelligente autonome Systeme das Potenzial, in Kürze dem Menschen komplette Aufgaben wie das Steuern eines Fahrzeugs abzunehmen.

Kaum noch nachvollziehbar: Selbstlernende Systeme

Die hinter diesen Systemen liegende Technik ist so komplex, dass es selbst für Experten immer schwieriger wird, sie vollständig zu begreifen. Selbstlernende IT-Systeme folgen längst nicht mehr den vom Menschen vorgegebenen Lösungswegen. Sie sind dafür programmiert, eigenständig Vorgehensweisen für die Bearbeitung einer Aufgabe zu finden. Welchen Weg sie am Ende wählen und wie dieser funktioniert, bleibt auch für die Entwickler und Techniker verborgen. Diese Abkehr von dem Prinzip, dass Technik in ihrer Funktionsweise durchschaubar und nachvollziehbar ist, hat weitreichende Folgen, wie der Chatbot „Tay“ der Firma Micro­soft zeigt. Der sollte sich eigenständig Twitter-Meldungen erstellen und dabei von seiner Umgebung lernen. Nur 24 Stunden nach dem Start musste bei Tay der Stecker gezogen werden. Er hatte in dieser kurzen Zeit „gelernt“, sich wie ein Nazi und Sexist zu verhalten.

Weniger einfach als bei Tay ist eine Bewertung von richtig und falsch, wenn künstliche Intelligenz dabei helfen soll, Aufgaben zu lösen, bei denen wir selbst das richtige Ergebnis schwer vorhersagen können. Zum Beispiel bei der Frage, wo wahrscheinlich das nächste Verbrechen begangen wird – und von wem. In den USA wird künstliche Intelligenz bereits heute eingesetzt, um Vor­her­sagen zur Kriminalität abzuleiten. Kritisch an derartigen Ansätzen ist zum einen der mit dem Einsatz stark wachsende Wunsch nach einer optimalen, d.h. lückenlosen Datensammlung über das Verhalten aller BürgerInnen. Zum anderen ist nur schwer nachzuvollziehen, wie in den KI-Systemen Schlussfolgerungen zu einem zukünftigen kriminellen Verhalten einzelner Personen zustande kommen. Wenn der Alarm losgeht, ist die Versuchung groß, erst zu handeln und dann zu klären, ob die Software Recht hatte oder nicht.

Erst bewerten, dann einsetzen

Übertragen auf die Arbeitswelt bedeutet ein unhinterfragter Einsatz von künstlicher Intelligenz umfassende Risiken. Wird künstliche Intelligenz nach dem Motto eingesetzt „was technisch möglich ist, wird auch gemacht“, drohen bewährte Prinzipien der Technik- und Datenschutzgestaltung hinten hinunter zu fallen. Vor dem Einsatz künstlicher Intelligenz ist auch in Zukunft zu klären, zu welchem Zweck die Systeme eingesetzt werden sollen und welche Daten hierfür tatsächlich benötigt werden. Hier setzt die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen umfassenden gesetzlichen Rahmen, der in den Betrieben umzusetzen ist. Nur so können die Chancen der Technik, durch eine genauere und systematische Auswertung von Informationen genauere und sachgerechtere Entscheidungen zu treffen, genutzt werden.

Neben dem Schutz der Persönlichkeitsrechte steht für Beschäftigte die Sorge vor dem Abbau von Arbeitsplätzen durch Auto­ma­tisierung auf der Tagesordnung. Künstliche Intelligenz kann schon heute viele, insbesondere Routine-Aufgaben effizient bewältigen. Wenn Rechnungen und Aufträge automatisiert geprüft werden, kann dies Risiken und Chancen bedeuten. Risiken, dass Arbeits­plätze abgebaut werden, und Chancen, dass ausgelagerte Abtei­lungen im Zuge der Automatisierung wieder an den Standort zu­rückgeholt werden. In jedem Fall entstehen neue Arbeitsplätze im Bereich der Entwicklung und Betreuung der KI-Systeme. Eine frühe Beschäftigung mit den Chancen künstlicher Intelligenz ist da­mit ein wichtiger Ansatzpunkt für die Quali­fizierung der Be­schäftigten und die Sicherung von Beschäftigung.

Sie wünschen mehr Informationen zum Thema? Melden sie sich einfach in der nächsten TBS-Regionalstelle oder nutzen sie unser Kontaktformular.

Regelmäßig Informationen zu unseren Angeboten erhalten: Newsletter abonnieren

Ansprechpartner/in

Dr. Urs Peter Ruf

Dr. Urs Peter Ruf

Regionalstelle Bielefeld
Tel.: 0521 / 966 35 - 20
Mobil: 0173 / 569 56 41
E-Mail senden
Zum Profil