Beratung - Weiterbildung - Information für Interessenvertretungen

MES: Mit System auf dem Weg zu Industrie 4.0

Manufacturing Executing Systems

MES-Systeme – das ist das Zauberwort, wenn es um das Zusammenwachsen von Produktionsprozessen mit der Informationstechnologie geht. MES steht für Manufacturing Executing Systems. Sie versprechen eine Steigerung der Produktivität. Andererseits er­möglichen sie eine lückenlose Leistungs- und Ver­haltens­kontrolle der Beschäftigten.  

In der Produktion beginnt ein neues Zeitalter. Unternehmen statten ihre Maschinen systematisch mit Informations­tech­nologie (IT) zur Steuerung und Überwachung aus und verknüpfen sie mit den IT-Planungssystemen (z.B. mit SAP ERP). Im Rahmen dieser so genannten MES (Manufacturing Executing Systems) wachsen bisherige Einzelsysteme im Rahmen der Produktion zusammen – wie z. B. Systeme zur Produktions­planung und -steuerung (PPS), zur Maschinen-Datenerfassung (MDE) oder zur Betriebsdaten-Erfassung (BDE). Zudem können MES um weitere Funktionalitäten, wie z. B. um ein Werkzeug-, Quali­täts- und Energiedatenmanagement, ergänzt werden.

MES ermöglichen ein durchgängiges Berichtswesen und Controlling

Diese Systeme – eine wichtige Vorstufe zu „Industrie 4.0“ – sind einerseits hocheffizient. Anbieter von MES werben mit einer Produktivitätssteigerung von bis zu 20 Prozent. Anderer­seits bieten sie in der Regel umfangreiche Möglichkeiten der Rückverfolgung, der Personalzeiterfassung oder der Leistungs- und Prämien­lohn­ermittlung. Denn jede Maschine erhält eine eindeutige IP-Adresse, damit sie im Netzwerk identifizierbar und anzusteuern ist. Damit ist die Grundlage für ein durchgängiges Berichtswesen und Controlling gelegt: Denn Unternehmen können so sämtliche Aktivitäten in der Produk­tion, Maschinenzustände und Stillstand­szeiten systematisch protokollieren und analysieren. Da hierbei auch personenbezogene Daten erfasst werden, wird sowohl der Arbeits­prozess als auch jeder einzelne Mitarbeiter durch und durch transparent.

Darauf sollte die Interessenvertretung achten

Für den Betriebsrat bedeutet diese Entwicklung in mehrfacher Hinsicht eine große Herausforderung. Bei einem MES  handelt es sich um ein IT-System, das gemäß § 87.1 (6) BetrVG mitbestimmungspflichtig ist. Bisherige Vereinbarungen, die zu Einzelsystemen (z. B. MDE oder BDE) in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, sind in eine MES-BV zu überführen. Damit allein ist es aber nicht getan: Denn da mit der Einführung von MES in der Regel auch eine Veränderung der Produktions­prozesse einhergeht, sind auch zentrale mitbestimmungspflichtige Fragen der Arbeitsorganisation betroffen. Über die Zu­sammen­führung bestehender Betriebsverein­barungen hinaus sollte die Interessenvertretung darauf achten, dass sie sowohl bei der Erstellung von Kennziffern, Berichten und Plantafeln als auch bei allen Planungen zu Prozessverbesserungen eingebunden ist. Die TBS NRW unterstützt die Interessen­vertretungen bei der Gestaltung der MES vor Ort ebenso wie bei der Erstellung von Betriebsvereinbarungen mit Kompetenz und großer Erfahrung.

Weitere Fragen zum Thema MES? Nutzen sie unser Kontaktformular oder rufen sie uns an.

So läuft’s bei Hella, Lippstadt: Einführung eines MES

Die Fa. Hella KGaA Hueck & Co ist ein Automobil-Zulieferer und beschäftigt weltweit etwas mehr als 29.000 Mitarbeiter. Am Standort Lippstadt sind rund 5.500 Mitarbeiter tätig, davon ca. 2.000 in der Produktion. Experten der TBS NRW beraten Hella-Betriebsräte seit vielen Jahren bei der Einführung und Regelung von IT-Systemen. mehr ...

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Mit System auf dem Weg zu Industrie 4.0: MES, 27.04.2015 ... weitere Informationen zum Seminar

Übrigens ...

in der Broschüre „Neues Produktionssystem - flexible Standards, gute Arbeit? Bewertungsraster für Betriebsräte“ finden Sie in Kapitel 13, „Informations- und Kommunikationstechnik in der Produktion“, Bewertungskriterien zur Ausgestaltung von IT Systemen. Diese Kriterien unterstützen bei der Einschätzung, z. B. eines MES Systems. „Gute“ IKT-Systeme dienen den Anwendern und Nutzern zur Vorbereitung, Ausführung, Prüfung und Nachjustierung ihrer Arbeit, insbesondere zur Entscheidungsunterstützung. Schlechte IKT-Systeme verlangen ein hohes Maß an Anpassung seitens der Anwender und Nutzer an die Systeme. Sie zwingen ihnen vorgegebene Prozesse und Arbeitsweisen auf.