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So läuft’s bei Hella, Lippstadt: Einführung eines MES

Aus der Praxis

Heinz Bölter
Betriebsrats- und Konzernbetriebsratsvorsitzender der Hella KGaA Hueck & Co.

„Als der Betriebsrat vom Arbeitgeber darüber informiert wurde, dass zur Fertigungssteuerung im Werk 2 ein MES-System eingeführt werden sollte, hat er sachverständige Experten der TBS NRW hinzugezogen. Grund hierfür waren gute Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der TBS. Zudem war es für den Betriebsrat früh erkennbar, dass die Einführung eines MES weitreichende Folgen mit sich bringen würde. Von daher stand es außer Frage, diese Regelungen nicht alleine mit dem Arbeitgeber zu verhandeln! Begleitet durch die TBS hat die Arbeitsgruppe die Kon­zeption des MES-Systems ‚unter die Lupe genommen‘. Hierbei konnten wir feststellen, dass es eine Reihe offener Punkte zum Konzept gab. Besonders wichtig für den Betriebsrat waren Regelungen zur Erfassung möglicher personenbezogener Daten, zur Darstellung via Monitor im Fertigungsbereich sowie zur Möglichkeit einer eventuell späteren Nutzung der Daten zur Leistungsentlohnung. Auf dieser Grundlage haben wir gemeinsam mit der TBS eine Betriebsvereinbarung erarbeitet und diese mit den Projektleitern sowie dem Personalleiter verhandelt. Mit MES ist es möglich, eine kaum vorstellbare Flut an Life-Daten zu erfassen und auszuwerten. Der Arbeitgeber hatte die Absicht, nur einen geringen Teil der Möglichkeiten zu nutzen, die das System bietet. Dennoch war es absolut richtig, die TBS bei den Verhandlungen mit an der Seite des Betriebsrates zu haben.

Insgesamt hat die Sachverständigentätigkeit der TBS für den Betriebsrat zu einem MES-System geführt, das die vielfachen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung optimal ausschöpft, ohne dass die Beschäftigten zu „gläsernen“ Menschen werden. Zudem haben wir klare Verabredungen darüber getroffen, an welchen Stellen der BR einzubeziehen ist.“

Die Fa. Hella KGaA Hueck & Co ist ein Automobil-Zulieferer und beschäftigt weltweit etwas mehr als 29.000 Mitarbeiter. Am Standort Lippstadt sind rund 5.500 Mitarbeiter tätig, davon ca. 2.000 in der Produktion. Experten der TBS NRW beraten Hella-Betriebsräte seit vielen Jahren bei der Einführung und Regelung von IT-Systemen.

Als die Geschäftsführung den Betriebsrat darüber unterrichtete, dass ein MES eingeführt werden soll, wandte dieser sich erneut an die TBS NRW, um sich umfassend über Hintergründe und wichtige Regelungs­aspekte zu informieren. In einem ersten Schritt wurden deshalb die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Informationen gesichtet und bewertet. Zudem wurden weitergehende Informationen eingefordert – insbesondere das Lastenheft mit präzisen Beschreibungen, was das MES bei Hella zukünftig leisten soll.

Auf der Grundlage dieser umfassenden Planungen wurde deutlich, dass der Betriebsrat mit der Geschäftsführung überall dort Klärungen herbeizuführen hatte, wo maschinen- und personenbezogene Daten erfasst und miteinander verknüpft werden konnten.

Letztendlich wurden in der BV zum Einsatz des MES bei Hella zahlreiche Funktionaltäten geregelt. Neben den klassischen Feldern rund um MDE, BDE und PPS wurden Vereinbarungen zu folgenden Punkten getroffen: zu den Kennziffern und Berichten, zu den Inhalten der Plan- und Infotafeln vor Ort in der Fertigung, zu Warn- und Alarm­funk­tionen sowie zu den Möglichkeiten einer Personaleinsatzplanung. Zudem waren der Umgang mit personenbezogenen Daten, die Ein­bindung des Betriebsrates und der Beschäftigten vor Ort sowie Qualifi­zierungskonzeptionen weitere wichtige Punkte, über die Eini­gung erzielt werden konnte.

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