BR-Wahl: Mehr Gleichberechtigung im Betriebsrat, Personalrat & Co.! 10 Praxistipps für die Gremienarbeit
Frauen sind in Betriebsrat, Personalrat & Co. trotz Minderheitenquote weiterhin deutlich unterrepräsentiert – besonders in Spitzenfunktionen. Der Text beleuchtet Ursachen für die fehlende Gleichberechtigung, zeigt den Nutzen gemischter Gremien anhand von Studien und nennt 10 praktische Maßnahmen, mit denen ihr gezielt mehr Kolleginnen für euren Betriebsrat gewinnen könnt. Am Ende findet ihr ein Angebot für einen kostenfreien Kompakt-Workshop.
Fehlende Gleichberechtigung in Betriebsrat, Personalrat & Co.: Die Gründe
Wie steht es um die Gleichberechtigung bei Interessenvertretungen? Die Antwort ist ernüchternd: Trotz gesetzlicher Minderheitenquote liegt der Frauenanteil seit Jahren unter 30 %. Spitzenpositionen? Der Personalrat, der Betriebsrat, die Mitarbeitervertretung sind nach wie vor eine Männerdomäne. Die Gründe sind vielfältig:
- Historisch gewachsene Männernetzwerke und eine Betriebsratskultur, die sich am „Ideal Worker“ orientiert – Vollzeit, mobil, jederzeit verfügbar
- Vereinbarkeitsprobleme: Wer Care-Arbeit leistet, und die leisten Frauen mehr als Männer, kämpft mit einer Dreifachbelastung aus Beruf, Familie und Betriebsrat
- Persistente Rollenbilder: Eigenschaften, die Frauen traditionell zugeschrieben werden, passen scheinbar nicht zur Betriebsratsrolle
Die Folge: Frauen sind zwar im Gremium, aber prozentual oft weniger repräsentiert als ihr Anteil an der Belegschaft und selten an der Spitze. Das führt zu fehlender Diversität, mangelnder Repräsentation und einseitigen Perspektiven. Dabei profitieren alle Seiten von Diversität und Gleichberechtigung.
Geschlechterparität führt zu besseren Ergebnissen und erfolgreicheren Unternehmen
Eine McKinsey Studie hat den Zusammenhang zwischen diversen Teams und geschäftlichem Erfolg nachgewiesen. Die Ergebnisse lassen sich in einer einfachen Formel zusammenfassen: Je diverser Teams in einem Unternehmen sind, desto erfolgreicher ist das Unternehmen.
Eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) hat ergeben, dass sich, sobald ein Geschlecht im Team überrepräsentiert ist, geschlechtstypisches Verhalten bemerkbar macht: Je höher der Anteil männlicher Gruppenmitglieder, desto riskanter ist eine gemeinsame Entscheidung. Umgekehrt ist die Risikobereitschaft einer Gruppe umso geringer, je mehr weibliche Mitglieder sie hat.
Ist ein Team ausgeglichen, sind die Beschlüsse ausgewogener, besser und erfolgreicher.
Mehr Repräsentationskraft durch Gleichberechtigung in Betriebsrat und Personalrat
Was bedeutet das für Betriebsräte – wann ist ein Betriebsrat erfolgreich? Dann, wenn er die Interessen der Beschäftigten optimal vertritt – und zwar die ALLER Beschäftigten. Ein diverser Betriebsrat stärkt die Repräsentationskraft des Betriebsrats, bringt neue Perspektiven, erhöht die Legitimation gegenüber der Belegschaft und fällt ausgewogenere und klügere Entscheidungen. Hört sich gut an?
Dann sind hier 10 Maßnahmen, die ihr direkt umsetzen könnt, damit zukünftig in eurem Betriebsrat mehr Frauen sind:
Direkte, persönliche Ansprache
Sprecht Kolleginnen gezielt persönlich an (nicht nur im Plenum) und fragt konkret: „Kannst du dir eine Kandidatur vorstellen? Ich unterstütze dich dabei.“
Pat*innen- oder Mentor*innen‑Programm
Bildet Tandems aus erfahrenden Mitgliedern und Neu‑Einsteigerinnen. So bekommen diese schnell Sicherheit bei allen Abläufen rund um die Gremienarbeit.
Teilhabe ermöglichen
Lasst Sitzungszeiten rotieren und bietet – wo möglich – hybride Teilnahme (etwa via Online-Präsenz) an. Haltet Protokolle kurz, klar und zentral zugänglich.
Kinderbetreuung / Pflege berücksichtigen
Plant Termine frühzeitig und in realistischen Zeitfenstern. Klärt intern, welche Unterstützungen in puncto Kinderbetreuung und Pflege möglich sind.
Thematische Arbeitsgruppen
Bildet AGs zu Themen, die viele Kolleginnen betreffen (z. B. zu Vereinbarkeit, Schicht, Qualifizierung).
Sichtbarkeit schaffen
Nutzt eure BR-Kanäle, um Erfolge und Themen von Kolleginnen sichtbar zu machen, z. B. mit kurzen „Was haben wir erreicht?“-Posts.
Aktive Wahlkommunikation
Erklärt Minderheitenschutz verständlich in einem kurzen Beitrag. Stellt Kandidatinnen mit ihren Themen nach dem Motto „Wofür trete ich an?“ vor.
Schulungen früh ermöglichen
Plant früh Schulungen für interessierte Kolleginnen etwa mit den Schwerpunkten Kommunikation, Rhetorik und Wahlkampagne ein.
Digitale Touchpoints
Richtet insbesondere für jüngere Kolleg*innen digitale Kontaktwege ein – etwa eine digitale Sprechstunde, Frage-und-Antwort-Formate oder interne Chats.
Erste Erfolge feiern
Macht Fortschritte sichtbar – auch kleine. Erfolg und Wertschätzung erhöht die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
In puncto Gleichberechtigung und Geschlechterparität stehen wir Euch zur Seite
Wenn ihr mehr wissen wollt und aktiv daran arbeiten wollt, euer Gremium paritätischer aufzustellen, nehmt Kontakt zu uns auf und sichert euch einen Termin für unseren kostenfreien Kompakt-Workshop „Mehr Frauen, bessere Mitbestimmung“
Zum Thema Gleichberechtigung und Geschlechterparität im Gremium findet ihr hier weitere Informationen: www.mitgestaltenplus.de
Förderung

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union












