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Betriebsratswahlen: Den Übergang aktiv gestalten!

TBS-Beraterin Dr. Kathrin Drews über die Bedeutung, die der Übergang vom aktuellen zum neuen Betriebsrat hat. Das Interview führte Redaktionsmitglied Ulrich Elsbroek.

Kathrin, die Betriebsratswahlen werfen ihre Schatten voraus und werden verständlicherweise in der nächsten Zeit im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Und dennoch: Trotz des Übergangs geht die normale Betriebsratsarbeit weiter.

Neben der eigentlichen Betriebsratsarbeit wollen die Wahlen vorbereitet werden. Für die Betriebsräte ist dies eine besondere Zeit. Wie im letzten Schnittpunkt bereits ausgeführt, hat das neue Betriebsrätemodernisierungsgesetz in puncto Wahlen Erleichterungen mit sich gebracht. Zudem bietet das DGB-Bildungswerk NRW ein umfangreiches Schulungsprogramm sowie weitere konkrete Informationen zum Thema an. Nicht zuletzt stehen bei der Durchführung die Gewerkschaften mit ihrer gewachsenen Expertise gerne zur Verfügung. Eine weitere Herausforderung ist, dass neben der Organisation der Wahl auch neue Kandidat:innen zu finden und Nachfolgen im Gremium zu organisieren sind.

Dennoch ist jetzt auch zugleich jenseits der Vorbereitungen darauf zu achten, dass der Übergang vom aktuellen zum nächsten Betriebsrat aktiv gestaltet wird.

Was meinst Du damit?

Es ist noch fast ein halbes Jahr bis zum Ende dieser Wahlperiode. Wir empfehlen, in der verbleibenden Zeit mit Nachdruck die Projekte zu bearbeiten, die noch in dieser Zeit abgeschlossen werden können. Das hat zwei Vorteile: Der neue Betriebsrat hat mit nicht allzu viel „losen Fäden“ zu tun. Zudem lässt sich mit erfolgreich abgeschlossenen Projekten betriebsintern Werbung für die Betriebsratswahlen machen. Ein weiterer Punkt ist ebenfalls wichtig. Im Laufe einer Wahlperiode haben die Betriebsratsmitglieder in der Regel viele Aktivitäten entfacht und auf den unterschiedlichsten Feldern zahlreiche Erfahrungen sammeln können. Scheiden Betriebsratsmitglieder freiwillig oder aus anderen Gründen aus dem Betriebsrat aus, fließen hiermit wertvolle Kompetenzen und umfassendes Wissen ab. Durch ein proaktives „Übergangsmanagement“ sollte dieses Wissen gesichert und an den zukünftigen Betriebsrat übergeben werden.

Wie lässt sich dieser Prozess organisieren?

Die Betriebsratsmitglieder haben im Laufe einer Wahlperiode viel geleistet, sind sich dessen aber nicht immer bewusst. Erst ein kurzer Blick in die eigenen Unterlagen des Betriebsrats zeigt dann, dass eine Vielzahl wichtiger Fragen bearbeitet werden konnte. Darum gilt es, dieses Wissen systematisch aufzuarbeiten, zu dokumentieren und im Rahmen einer geordneten Übergabe dem neuen Betriebsrat zu vermitteln. Nach der Wahl und Zusammensetzung des neuen Betriebsrates empfiehlt es sich zudem, Befragungen innerhalb der Belegschaft durchzuführen, um die aktuellen Bedarfe zu erkunden. Auf dieser Grundlage lässt sich die Strategie für die kommende Wahlperiode formulieren. So ist der neue Betriebsrat von Beginn an sehr gut im Bilde, kann direkt in die Arbeit einsteigen und verliert keine Zeit durch langwierige Einarbeitungsphasen. Bei diesen Herausforderungen kann die TBS mit unterschiedlichen Angeboten unterstützen, z. B. mit Klausurtagungen, Coaching etc.

Die Quote der Unternehmen, die einen Betriebsrat haben, ist rückläufig.
Das ist ein alarmierendes Zeichen. Wie kann man dem entgegenwirken?

Wir brauchen in der Öffentlichkeit mehr gute Beispiele über die Wirkung guter Betriebsratsarbeit. Dann fassen mehr Beschäftigte den Mut, ebenfalls aktiv zu werden und ein Gremium zu gründen. Ich empfehle den Akteur:innen vor Ort, im Vorfeld der Wahlen ganz bewusst die betriebliche Öffentlichkeit zu suchen. Ob auf der Betriebsversammlung, auf Abteilungstreffen, in fachlichen Zirkeln, in den BR-Sprechstunden, auf Mitgliederversammlungen zusammen mit den zuständigen Gewerkschaftssekretär:innen oder im Rahmen von Flyern oder Aushängen – die Akteur:innen sollten ihre Arbeit und Erfolge darstellen, auf die Wichtigkeit der Betriebsratswahlen hinweisen und im Idealfall sogar Personen gewinnen, die sich für die Wahlen aufstellen lassen wollen. Sicherlich stellen die aktuellen Hygienevorschriften zurzeit erschwerte Bedingungen für diese Aktivitäten dar. Aber es lohnt sich. Denn je wirkungsvoller die Interessen der Beschäftigten geschützt sind, desto besser. Gerne stehen wir den Betriebsräten beim Übergang gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

 

Ansprechpartner/in

Dr. Kathrin Drews

Dr. Kathrin Drews

Regionalstelle Dortmund
Tel.:0231 / 24 96 98-37
Mobil:0174 / 1 60 05 40
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